Kein anderes deutsches Viertel ist so eng mit populärer Musik verwoben wie St. Pauli. Der Stadtteil hat eine Musikszene produziert, die bis heute aktiv mitentscheidet, welcher Sound als "hamburgisch" gilt — und welche Bands die Stadt verlassen, sobald sie erfolgreich genug sind, um es sich leisten zu können.

Ein Viertel als Studio

Tonstudios, Proberäume, Backline-Lager und Musikhandel ballen sich in einem Viertel, das sich in den letzten zwei Jahrzehnten immer mehr zum Anziehungspunkt für Menschen entwickelt hat, die mit Musik Geld verdienen wollen. Das Karolinenviertel hat in dieser Zeit eine Dichte an Aufnahmeräumen entwickelt, die man sonst höchstens in Berlin-Kreuzberg findet.

Der Preis des Mythos

Der Sound der Stadt lebt vom Viertel — und das Viertel leidet unter seinem eigenen Mythos. Mieten steigen, Proberäume weichen Büroräumen, die Szene verlagert sich in Randbezirke. Es ist die klassische Verdrängungsspirale, und sie bedroht genau das, was Hamburg als Musikstandort unterscheidet: die Nähe. Bands, Studios, Venues und Publikum liegen hier noch wenige Fahrradminuten auseinander.

Warum der Sound trotzdem bleibt

Solange die Nähe bleibt, bleibt der Sound. St. Pauli ist weniger ein Ort als ein Zustand: dicht, laut, nachtblau. Und Zustände verschwinden langsamer als Adressen. Die Musik, die hier entsteht, wird weiterhin Hamburg heißen — egal, wo sie eines Tages aufgenommen wird.